Wiederaufbau bis Wiedervereinigung
Dem totalen Zusammenbruch im Jahre 1945 war auch das Vereinsleben zum Opfer gefallen. Durch ein Gesetz der Militärregierung mussten die Vereine aufgelöst werden.
Viele unserer Mitglieder befanden sich in Gefangenschaft und nur sehr langsam kamen die Einzelnen wieder in die Heimat zurück. In dieser Zeit, in der jeder einen erbitterten Kampf um das täglich Brot zu führen hatte, bedurfte es großer Idealisten, den Gedanken „Verein" überhaupt zu wagen, geschweige denn sich an die Neugründung eines Vereins zu machen. Der Schwimm-Club hatte in seinen Reihen die Idealisten, ähnlich wie nach dem ersten Weltkrieg. Gleich nach 1945 nahmen die Mitglieder Euler, Thüring und Charly Becker mit den maßgeblichen Stellen Verbindung auf und brachten es nach vielen Bemühungen fertig, dass im Dezember 1945 der Schwimm-Club Wiesbaden neu erstehen konnte. Die bestehenden amtlichen Bestimmungen verboten allerdings die Jahreszahl 1911 zu führen.
Nach der Neugründung gingen die Idealisten an's Werk das 1945 in einem jämmerlichen Zustand angetroffene Gelände in Schierstein wieder in Ordnung zu bringen. Die schwierigen Arbeiten der Wiederherrichtung des Clubgeländes wurden unter dem Vorsitz von Georg Euler begonnen und fanden ihre Vollendung unter dem damaligen Vorsitzenden Karl Overath. Letzterer war es auch, der die Idee hatte, für die Mitglieder ein Clubheim hinter unserem Bootshaus, zu errichten und dem die Durchführung des Projektes in erster Linie zu verdanken ist. Darüber hinaus war Karl Overath unermüdlich um die Wiederherstellung der 50 m Bahn in Schierstein bemüht. Daneben gebührt besonderer Dank unseren Ehrenmitgliedern Hugo Thüring und dessen Gattin um das Wiedererstehen unserer Schiersteiner Sportanlage.
Das neu entstandene Clubheim direkt hinter dem Bootshaus.
Während sich die vorerwähnten Arbeiten langsam abwickelten, wuchs die Mitgliederzahl des Clubs ständig und man ging daran sich der sportlichen und gesellschaftlichen Tradition des Vereins zu besinnen. Allmählich erstand wieder eine Wettkampfmannschaft und es dauerte noch lange bis ein Wettkampfbetrieb aufgenommen werden konnte. Die Erfolge unserer Schwimmer nach 1945 sind um so höher zu bewerten, da das Viktoria-Bad durch Kriegsschäden zerstört war und unsere Schwimmer keine Trainingsmöglichkeiten hatten, außer in dem kleinen 10 m-Becken in der Rheumaklinik.
Ähnlich war es in dem Lager der Kanuten. Immer mehr Boote kamen hinzu, so dass unsere Bootshalle wieder voll belegt war. Nach den in den Vorkriegsjahren geleisteten Vorarbeiten unserer Kanuten Heini Sturm, Karl Ernst, Hans Heusel u.a. mehr wuchs nach 1945 unsere Kanuabteilung schnell zu einer erfolgreichen Sportgemeinschaft heran, aus der nach Anschaffung der ersten Kajaks sich später die Rennsportabteilung bildete.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass unser treuer Bootswart Rudi Busch über 10 Jahre Sommer wie Winter unsere Bootshalle und das Clubgelände in guter Obhut hatte.
Ganz allmählich kamen auch die gesellschaftlichen Veranstaltung wieder in Gang und nahmen 1946 ihren Anfang. Frühlings- und Herbstfeste sowie die traditionellen Sylvesterbälle folgten dann später und waren in der damaligen Zeit, ausser den Sommermonaten in Schierstein die einzige Gelegenheit die Mitglieder zusammenzuführen.
Im Jahre 1952 übernahm Heinz Hurten den Vorsitz des Clubs und gleichzeitig wurde Willi Butzbach zum Techn. Leiter gewählt, Auf Wunsch zahlreicher Mitglieder wurde in diesem Jahr die Wintersportabteilung wieder ins Leben gerufen. Die unsicheren Schneeverhältnisse in unserem Heimatgebiet ließen für unsere Wintersportabteilung nur selten die Ausübung dieser schönen Sportart zu. Ebenso wurde eine Tischtennisabteilung neu gegründet. Nachdem unsere Tischtennisabteilung bei Verbandsund Freundschaftsspielen in den ersten Jahren mit Erfolg teilnahm, wird bei uns Tischtennis heute nur noch als Ausgleichssport gespielt. Mit der Wiedereinführung der Gymnastikstunden unter Leitung von Rudi Klump fanden die Mitglieder in den Wintermonaten eine weitere sportliche Betätigung. Gleichzeitig übernahm unser Kamerad Adolf Rosgarsky das Amt des Jugendwartes, das er mit selbstloser Hingabe durchführte. Er war ein großer Idealist und wohl kaum ein anderer dürfte so ein Verständnis für unsere Jugend aufgebracht haben wie er.
Mit der Durchführung der „Süddeutschen Schwimm-Meisterschaften im Juli 1953 trat der Schwimm-Club Wiesbaden erstmalig wieder nach dem Krieg mit einer Großveranstaltung an die Öffentlichkeit. Im gleichen Jahr wurde der Rennsportabteilung der Kanuten ein Zehner-Kanadier zur weiteren sportlichen Betätigung übergeben.
Mit der Eröffnung des Hallenbades in der Mainzer-Straße im Mai 1954 fanden endlich unsere Schwimmer und Schwimmerinnen wieder eine ideale Übungsstätte. Der Bau dieses Bades ist unserem verstorbenen Ehrenmitglied, Herrn Direktor Schröder, zu verdanken wobei unser Adolf Rosgarsky maßgeblich beratend mitwirkte. Am Eröffnungstag des Bades konnte unser 1. Vorsitzender, Heinz Hurten, Herrn Direktor Schröder die goldene Ehrennadel unseres Clubs für seine Verdienste überreichen. Das Bad selbst wurde von uns mit einem Schwimm-Städte-Kampf Wiesbaden gegen Mainz – Worms eingeweiht, der von Wiesbaden gewonnen wurde. Als weitere schwimmsportliche Veranstaltung folgte im November ein Verbandsoffenes Schwimmfest mit „Deutschen Spitzenschwimmern" am Start. Den größten sportlichen Erfolg im gleichen Jahr erzielte unser Senioren-Schwimmer Gerhard Hein bei den Deutschen Meisterschaften, in dem er über 100 m Rücken Deutscher Seniorenbester wurde. Bis zum heutigen Tage holte sich jährlich unser Gerhard Hein einen ersten Sieg über 50 m Kraul oder Rücken bei den Deutschen Senioren-Wettbewerben.
Dank der vorausschauenden Planung beim Bau des Hallenbades mit einer 50 m-Bahn wurden seitens des Hess. Schwimm-Verbandes der Länder-Vergleichskampf Nord-Baden gegen Hessen und vom Deutschen Schwimm-Verband das Olympia-Ausscheidungs-Schwimmen nach Wiesbaden verlegt und die organisatorische Durchführung dem Schwimm-Club Wiesbaden 1911 übertragen. Daraufhin wurde im Herbst 1956 die gesamte Deutsche Schwimm-Meisterschaft zum sechswöchentlichen Training vor dem Abflug nach Melbourne nach Wiesbaden berufen. Die Schwimmer waren auf Entgegenkommen des Herrn Magistratsrats Beck vom Stadtamt für Leibesübungen im Lehrlingsheim der Stadt Wiesbaden untergebracht. Die Olympia-Schwimmerinnen fanden ausschließlich bei Clubmitgliedern Unterkunft und Betreuung. Ein Internationaler Clubkampf im Hallenbad gegen Schwimmer-Club Nizza wurde von Nizza gewonnen.
Im Sommer 1957 unternahm der Schwimm-Club Wiesbaden den ungleichen Clubkampf gegen „Dynamo" Prag, die einige tschechische Nationalschwimmer und Schwimmerinnen in ihren Reihen hatten. Trotz Verstärkung durch TSG 46 und TG 75 Darmstadt ging dieser Clubkampf für uns verloren.
In den folgenden Jahren nahmen unsere Schwimmer und Schwimmerinnen an Veranstaltungen im Hess. Raum erfolgreich teil. Weiterhin führten wir wiederholt Clubkämpfe mit befreundeten Vereinen aus Köln, Godesberg, Neuwied, Koblenz, Worms usw. mit wechselndem Erfolg durch. Diese schwimmsportlichen Erfolge sind zum größten Teil ein Verdienst unseres langjährigen, bewährten Schwimmwartes Hermann Barteidt. Seine Verdienste für den Schwimmsport fanden auch die Anerkennung durch die Verleihung der „Silbernen Ehrennadel" des Hess. Schwimmverbandes.
Durch Anschaffung eines zweiten 10-er Kanadiers und weiteren Kajaks wurde die Rennsportabteilung der Kanuten weiter aufgebaut. Dadurch kamen unsere Jungen und Mädels auf vielen großen Regatten zu sehr beachtlichen Erfolgen, so u.a. wurden Marion Gramer Südwestmeisterin im Einer-Kajak über 500 m und die 4 Mädchen Schönenkorb, Bromand, Reinhardt und Karl Nicodemus Hess, und Südwestdeutsche Jugendbeats im Kajak-Zweier und Kajak-Vierer. Aufgrund ihrer Leistungen wurden sie beim Kanu-Ländervergleichskampf Bayern – Hessen vom HKV eingesetzt. Seit Bestehen der Abteilung hat sich der leider zu früh verstorbene Waldemar Jungbluth in uneigennütziger Arbeit restlos für die Betreuung eingesetzt und sein Verdienst wurde durch die Verleihung der Ehrennadel des Hess. Kanuverbandes anerkannt. Die Abteilung verfügt z.Zt. über einen ansehnlichen Bootsbestand an Rennbooten, so dass unseren Kanuten auch für die Zukunft weitere Erfolge sicher sein dürften.
An dieser Stelle soll die unermüdliche und verdienstvolle Arbeit in den letzten 10 Jahren der Kameraden Heinz Hurten und Willi Butzbach nicht unerwähnt bleiben. Zu jeder Zeit und Stunde waren sie bereit ihre Freizeit uneigennützig im Interesse und für das Wohl des Clubs zur Verfügung zu stellen. Der reibungslose Ablauf unseres Sportbetriebes und die gute Zusammenarbeit mit den einzelnen Abteilungen sind nicht zuletzt Verdienste unseres Technischen Leiters Willi Butzbach, der den Sportlern mit seinen langjährigen sportlichen Erfahrungen immer beratend und hilfsbereit zur Seite stand. Außer der vielen Arbeit, die nun mal ein Vorsitz in einem Verein mit sich bringt, war es Heinz Hurten, der die erste Karnevalistische Sitzung des Clubs startete, welche im Laufe der Jahre sich zu einem Höhepunkt im Rahmen unserer gesellschaftlichen Veranstaltungen entwickelte.
Zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sowie stille Helfer und Helferinnen stehen seit Jahren für die Betreuung unserer Mitglieder zur Verfügung. Ohne sie wäre die Vereinsarbeit nicht zu leisten.
Im März 1962 trat der damalige Vorsitzende Heinz Hurten aus gesundheitlichen Gründen zurück und die Mitglieder legten das Amt des 1. Vorsitzenden vertrauensvoll in die Hände des damals Techn. Leiters Willi Butzbach, unterstützt von dem 2. Vorsitzenden Paul Hüllenhütter und weiteren langjährigen Vorstandsmitgliedern, war eine fruchtbare Arbeit gewährleistet. Damals war es besonders die Wettkampfmannschaft der Schwimmerinnen und Schwimmer, die einen großen Aufschwung nahm, den die Aktiven im Laufe der nächsten Jahre so auszubauen verstanden, dass sie weit über die Landesgrenzen hinaus einen guten Namen hatte. Einen sehr schmerzlichen Verlust erlitt der Schwimm-Club, als Willi Butzbach im besten Mannesalter plötzlich für immer die Augen schloss.
1964 wurde das Steuer in die Hände einer Frau gelegt, die jetzt ihren Mann stehen musste. Es war unser langjähriges Mitglied Frau Ilse Meeuw, die unterstützt von dem 2. Vorsitzenden Kurt Schiebel den Verein in vorbildlicher Weise führte. Die Jugendarbeit und der Wettkampfsport wurde in dieser Zeit durch das selbstlose Wirken einiger engagierter Mitglieder, stellvertretend sei hier der Rennsportleiter und Trainer der Kanuten, Waldemar Jungbluth, genannt, sowie die finanzielle Unterstützung des Clubs auf eine breite Basis gestellt und zu beachtlichen Erfolgen geführt. Da unser Club schon lange nicht nur ein Schwimm-Club traditioneller Prägung ist, wurde 1970 zu den bereits bestehenden Abteilungen eine Yachtabteilung neu gegründet. Damit hat man frühzeitig der modernen Entwicklung im Wassersport Rechnung getragen und dem Verein ein weiteres in die Zukunft weisendes Standbein auf unserem Sportgelände in Schierstein hinzugefügt.
Die Neugestaltung des Westhafens durch die Stadtwerke, ausgelöst durch die Erweiterung des Wassereinzugsgebietes und die Festlegung der Wasserschutzzonen hatte unser Clubgelände völlig verändert. In schwierigen Verhandlungen mit Stadt und Stadtwerken konnte durch neue Pachtverträge, auch für eine Wasserfläche, die Existenz des Clubs in Schierstein gesichert werden. Frau Ilse Meeuw-Minte hat nach 10-jähriger Amtszeit nicht mehr kandidiert. Sie wurde in Anerkennung ihrer Verdienste um den Verein in der Jahreshauptversammlung zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Nachfolger im Amt des 1. Vorsitzenden ist von diesem Zeitpunkt an der 2. Vorsitzende und Leiter der Yachtabteilung Horst Röhl. Als erste große Aufgabe kam das Problem der inzwischen baufällig gewordenen alten Bootshalle auf ihn zu. Nachdem alle Bemühungen in den vorangegangenen Jahren für den Neubau eines Clubhauses an wasserrechtlichen Auflagen und der fehlenden Möglichkeit der Entsorgung gescheitert waren, musste jetzt gehandelt werden. Mutiges Vorgehen und zähes Verhandeln war jetzt gefragt. So wurde schließlich eine Hallenerneuerung am alten Standort genehmigt. Dass dann am Ende nach 4-jähriger Bauzeit ein neues Bootshaus mit einem dem Verein angemessenen Clubraum entstanden war, ist das Verdienst des 1. Vorsitzenden Horst Röhl. Seinem Organisationstalent und seiner unermüdlichen Schaffenskraft ist es zu verdanken, dass der Schwimm-Club im Oktober 1977 das langersehnte Clubheim mit einer eindrucksvollen Einweihungsfeier mit viel prominenten Persönlichkeiten in Betrieb nehmen konnte. Im gleichen Jahr hat sich ein Wasser-Ski-Racing-Team dem Club angeschlossen, das auf nationalen und internationalen Rennen mit konstant guten Leistungen erfolgreich war.
Auf dem Clubgelände wurden ca. 20 Stellplätze für Wohnwagen hergerichtet. Der Platz wird von den Mitgliedern der Campingabteilung gepflegt und bietet viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.