Manche Spitznamen bleiben einfach hängen.

Bei Jannes Schmidt, Jahrgang 2009, ist es der „Schmettboy“.


Der Name stammt aus einer Zeit, in der Schmetterling seine besondere Stärke war. Inzwischen sagt Jannes selbst, dass Schmetterling eigentlich gar nicht mehr seine stärkste Lage ist. Geblieben ist der Name trotzdem. In den sozialen Medien folgen viele seiner sportlichen Entwicklung unter genau diesem Namen.


Und diese Entwicklung ist inzwischen ziemlich außergewöhnlich.


Denn aus dem jungen „Schmettboy“ des SC Wiesbaden ist einer der besten deutschen Allrounder seines Jahrgangs geworden.


Vier Lagen und fünf Jahre lang dieselbe Nummer eins


Wer 400 m Lagen schwimmt, kann sich keine echte Schwäche erlauben.


100 Meter Schmetterling. 100 Meter Rücken. 100 Meter Brust. 100 Meter Freistil.


Genau diese Strecke zieht sich wie ein roter Faden durch Jannes' sportlichen Weg.

  • 2022 wurde er erstmals Deutscher Jahrgangsmeister über 400 m Lagen.
  • 2023 wieder.
  • 2024 wieder.
  • 2025 wieder.
  • Und 2026?  Natürlich wieder!


Fünf Deutsche Jahrgangsmeistertitel in Folge über 400 m Lagen.


Der Deutsche Schwimm-Verband widmete dem „Schmettboy“ nach seinem fünften Sieg sogar einen eigenen Abschnitt seiner DJM-Berichterstattung.


Doch hinter dieser Serie steckt noch etwas anderes.

Die Uhr wird immer schneller.


2025 gewann Jannes den deutschen Jahrgangstitel in 4:33,45 Minuten.

Ein Jahr später standen bei der DJM:

4:27,84 Minuten.

Wieder Gold.


Nicht mehr nur gegen den eigenen Jahrgang


Der vielleicht wichtigste Schritt seiner bisherigen Entwicklung passierte allerdings schon einige Wochen vor der DJM.

Bei den offenen Deutschen Meisterschaften 2026 in Berlin schwamm Jannes gegen Deutschlands beste Männer.

Olympiateilnehmer, Nationalmannschaftsschwimmer und deutlich ältere Athleten standen mit ihm im Feld.


Jannes war 17.


Im Vorlauf über 400 m Lagen schlug er nach 4:27,65 Minuten an.

Platz drei.

A-Finale.


Und dort verteidigte er diesen Platz.


🥉 Bronze bei den Deutschen Meisterschaften der offenen Klasse.


Vor ihm lagen nur Cedric Büssing und Finn Hammer.

Damit erfüllte Jannes gleichzeitig die Norm für die Junioren-Europameisterschaften und die P-Kader-Norm.

Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, einer der Besten seines Jahrgangs zu sein.

Jannes war in der deutschen offenen Spitze angekommen.


Ein echter Allrounder


Vielleicht erzählt aber die DJM 2026 noch besser, was Jannes inzwischen auszeichnet.

Natürlich gewann er wieder die 400 m Lagen.


Doch dazu kamen:

🥈 200 m Lagen – 2:04,62 min
🥈 200 m Rücken – 2:05,68 min
🥈 200 m Brust – 2:19,41 min


Vier Medaillen auf vier unterschiedlichen Strecken.


Genau deshalb passt die Bezeichnung Allrounder inzwischen besser als jede einzelne Schwimmart.


Auch bei den Hessischen Jahrgangsmeisterschaften 2026 zeigte sich diese Breite besonders deutlich. Jannes gewann alle acht Einzelstarts, zu denen er antrat, und wurde damit erfolgreichster Teilnehmer der gesamten Meisterschaft.


Zum ersten Mal im Deutschland-Trikot


Der Weg in die Nationalmannschaft begann bereits ein Jahr zuvor.

2025 wurde Jannes für die Junioren-Europameisterschaften in Šamorín nominiert.

Deutschland-Trikot.


Internationale Konkurrenz.


Und plötzlich stehen neben einem nicht mehr nur die bekannten Gegner aus Berlin, Hessen oder Süddeutschland, sondern einige der besten Nachwuchsschwimmer Europas.


Über 200 m Lagen schwamm Jannes 2:08,01 Minuten, über 400 m Lagen 4:37,78 Minuten.


Es war der erste große internationale Schritt.


2026 kam der nächste.

Heim-JEM in München

Junioren-Europameisterschaften im eigenen Land.


Vom 7. bis 12. Juli 2026 traf sich Europas Schwimmnachwuchs in München.

Und Jannes war wieder Teil des deutschen Teams.

Dieses Mal war das Ziel klar: näher an die internationale Spitze heran.

Über 200 m Lagen schwamm er 2:05,30 Minuten.

Über seine Paradedisziplin 400 m Lagen folgte:

4:27,42 Minuten.

Platz neun.


Eine einzige Position fehlte zum europäischen Juniorenfinale.


Enttäuschung und Fortschritt können im Leistungssport manchmal ziemlich nah beieinanderliegen.

Denn gleichzeitig war er damit rund zehn Sekunden schneller als bei seiner ersten JEM nur ein Jahr zuvor.


Und plötzlich fünf Kilometer


Wer Jannes nur aus dem Becken kennt, könnte seine neueste Entwicklung überraschend finden.

Am 22. August 2026 sprang er bei den Hessischen Freiwassermeisterschaften in Großkrotzenburg in den See.


Nicht für 400 Meter.

Für fünf Kilometer.


Neben ihm unter anderem sein neuer SCW-Teamkollege und Freiwasserspezialist Cyrill Maurer.

Mehr als eine Stunde später kamen beide fast gemeinsam ins Ziel.


Jannes:

1:01:25,83 Stunden.


Cyrill:

1:01:33,37 Stunden.


Gerade einmal 7,54 Sekunden nach fünf Kilometern trennten die beiden.

Und Jannes hatte gewonnen.

🥇 Hessischer Juniorenmeister.

Und gleichzeitig:

🥇 Hessischer Meister 2026 über 5 km in der offenen Klasse.


Für einen 400-m-Lagenschwimmer ist das eine bemerkenswerte Ergänzung seines sportlichen Profils.

Vom Nachwuchstalent zum Top Team


Jannes gehört inzwischen zum Top Team des SC Wiesbaden.


Das ist folgerichtig.

Denn mit Jahrgang 2009 bewegt er sich bereits zwischen zwei Welten.

Auf der einen Seite ist er noch Nachwuchsschwimmer und Deutscher Jahrgangsmeister.

Auf der anderen Seite gewinnt er bereits Medaillen bei offenen Deutschen Meisterschaften, startet für Deutschland bei Junioren-Europameisterschaften und schlägt über fünf Kilometer erwachsene Konkurrenz.

Auch der Hessische Schwimm-Verband hat diese Entwicklung bestätigt. Jannes wurde erneut in das HSV-Perspektivteam berufen.


Der „Schmettboy“ ist erwachsen geworden


Ganz stimmt diese Überschrift natürlich noch nicht.


Jannes ist gerade einmal 17.


Aber sportlich hat sich seit den ersten Erfolgen viel verändert.

2021 schwamm er die 400 m Lagen noch in 5:30,77 Minuten.

Bei der Junioren-EM 2026 waren es 4:27,42 Minuten.

Das sind mehr als 63 Sekunden Entwicklung über dieselbe Langbahnstrecke.


Aus dem jungen Schmetterlingsschwimmer wurde ein Lagenschwimmer.

Aus dem Lagenschwimmer wurde ein Allrounder.

Aus dem Deutschen Jahrgangsmeister wurde ein Medaillengewinner bei den offenen Deutschen Meisterschaften.

Und inzwischen schwimmt er auch fünf Kilometer durch einen See und wird Hessischer Meister der offenen Klasse.

Auf die Frage nach den ganz großen Zielen antwortete Jannes nach seinem fünften DJM-Titel bemerkenswert gelassen.


Natürlich sei Olympia ein Traum. Zunächst wolle er aber Schritt für Schritt weitergehen.


Vielleicht passt genau das am besten zu seiner bisherigen Entwicklung.

Denn der Weg von 5:30 über 400 m Lagen bis zur Junioren-Europameisterschaft entstand auch nicht in einem einzigen großen Sprung.


Sondern Bahn für Bahn.

Training für Training.

Jahr für Jahr.


Und wir haben das Gefühl: Die Geschichte des „Schmettboy“ hat gerade erst richtig angefangen. ❤️


Jannes, wir freuen uns darauf, die nächsten Kapitel gemeinsam mit dir zu erleben.


Schwimm-Club Wiesbaden 1911 – wir schwimmen für das Team.


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