Magdeburg investiert in ein neues nationales Schwimmzentrum, um einen der erfolgreichsten deutschen Leistungssportstandorte langfristig weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig entsteht in Wiesbaden mit dem Sportpark Rheinhöhe ein neues 50-Meter-Wettkampfbecken. Die beiden Projekte haben unterschiedliche Aufgaben und Dimensionen. Sie zeigen aber gleichermaßen, welche Bedeutung eine leistungsfähige Infrastruktur für die Zukunft des Schwimmsports haben kann. Für den SC Wiesbaden eröffnet Rheinhöhe Chancen, die weit über ein neues Schwimmbad hinausgehen.


Magdeburg investiert in die Zukunft des deutschen Schwimmsports


Ende August 2026 hat der Magdeburger Stadtrat die Entwurfsplanung und weitere Realisierung des neuen „Schwimmzentrums für Deutschland“ beschlossen. Der Kostenrahmen beträgt 51 Millionen Euro, die Eröffnung ist für Oktober 2029 vorgesehen. Der Deutsche Schwimm-Verband bezeichnet das zukünftige Zentrum als wichtigen Baustein seiner Leistungssportstrategie.

Das kommt nicht von ungefähr. Magdeburg gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Standorten des deutschen Schwimmsports. Die Trainingsgruppe um Bundestrainer Bernd Berkhahn mit international erfolgreichen Athletinnen und Athleten wie Lukas Märtens, Florian Wellbrock oder Isabel Gose hat wesentlich dazu beigetragen, dass Magdeburg heute als einer der bedeutendsten deutschen Schwimmstandorte wahrgenommen wird.


Entsprechend konsequent wird nun auch die Infrastruktur weiterentwickelt.


Geplant sind ein 50-Meter-Becken mit zehn Bahnen, ein Strömungskanal, Krafträume, eine Höhenkammer, Räume für sportwissenschaftliche Diagnostik sowie Tagungs- und Weiterbildungsbereiche. Das neue Zentrum soll in unmittelbarer Nähe der Magdeburger Sportschulen entstehen.


Das Beispiel zeigt: International erfolgreicher Schwimmsport entsteht nicht allein durch einzelne herausragende Athleten. Trainer, Nachwuchsentwicklung, Sportwissenschaft, Finanzierung und vor allem ausreichende Trainingsmöglichkeiten müssen zusammenkommen.


Auch Wiesbaden bekommt neue Möglichkeiten


Wiesbaden baut kein nationales Leistungszentrum wie Magdeburg. Mit dem Sportpark Rheinhöhe entsteht vielmehr eine moderne kommunale Sport- und Freizeitanlage für Vereine, Schulen und Öffentlichkeit.


Für den Wiesbadener Schwimmsport ist dabei insbesondere das neue Sportbad von großer Bedeutung.


Das wettkampftaugliche Becken wird 50 × 25 Meter groß und verfügt über zehn Bahnen. Hinzu kommen eine Zuschauertribüne für rund 200 Personen und ein Boulevardbereich, der bei Wettkämpfen unter anderem für Wettkampfleitung und weitere Funktionen genutzt werden kann. Insgesamt umfasst das Sportbecken 1.250 Quadratmeter Wasserfläche.


Die Fertigstellung der Gebäude ist derzeit für Ende 2027 vorgesehen, nach der anschließenden Inbetriebnahme soll der Sportpark 2028 eröffnet werden.


Damit erhält Wiesbaden Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten, die es in dieser Form bislang nicht gibt.

Das Becken wird nach den Anforderungen der DSV-Kategorie B errichtet. Die ursprünglich von den Vereinen gewünschte Kategorie A wird aufgrund der Wassertiefe in einem Teil des Beckens nicht erreicht. Diese bauliche Entscheidung ist getroffen und für die zukünftige Entwicklung des Wiesbadener Schwimmsports letztlich auch nicht mehr die entscheidende Frage.


Viel wichtiger ist:

Was machen wir künftig aus den Möglichkeiten, die Rheinhöhe bietet?


Zehn 50-Meter-Bahnen allein entwickeln noch keinen Leistungssport


Für den SCW könnte regelmäßiges Training auf der 50-Meter-Bahn einen erheblichen Entwicklungsschritt darstellen.

Eine große Wasserfläche ermöglicht es, Nachwuchs-, Förder- und Leistungsgruppen besser nach Leistungsstand und Trainingsgeschwindigkeit zu differenzieren. Gleichzeitig können junge Schwimmer und Athleten des Leistungssports stärker an einem Standort zusammengeführt werden.


Das hat auch eine wichtige Vorbildfunktion.


Ein Kind aus dem SCW-Nachwuchs kann im gleichen Becken trainieren wie Athleten, die wenige Wochen später bei Deutschen Meisterschaften oder internationalen Wettkämpfen starten. Der Weg vom Nachwuchs bis zum Leistungssport wird dadurch unmittelbar sichtbar.


Aber auch hier zeigt der Blick nach Magdeburg etwas Entscheidendes:

Ein großes Becken allein schafft noch keine besseren Trainingsbedingungen.


Die Infrastruktur muss dem Sport auch in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.

Für den SCW und die anderen Wiesbadener Vereine wird deshalb entscheidend sein, wie viele Bahnen zu welchen Zeiten für das Vereinstraining genutzt werden können und unter welchen finanziellen Bedingungen diese Wasserzeiten angeboten werden.

Gerade im Leistungssport sind ausreichende, regelmäßige und langfristig planbare Trainingszeiten eine Grundvoraussetzung.

Wenn diese Rahmenbedingungen stimmen, können die zehn Bahnen von Rheinhöhe einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die Nachwuchsarbeit und den Leistungssport in Wiesbaden weiterzuentwickeln.


Rheinhöhe kann aber noch mehr: Wiesbaden als Wettkampfstandort


Die zweite große Chance liegt im Wettkampfsport.

Das neue Sportbecken ist ausdrücklich für Wettkampfveranstaltungen vorgesehen.


Natürlich können dort zukünftig regionale, hessische oder überregionale Meisterschaften stattfinden. Aus Sicht des SCW sollte die Perspektive jedoch darüber hinausgehen.


Warum sollte Wiesbaden nicht langfristig einen eigenen international besetzten Schwimmwettkampf entwickeln?

Andere europäische Standorte zeigen, welche Bedeutung solche Veranstaltungen bekommen können.


Ein besonders interessantes Beispiel ist das Euro Meet in Luxemburg. Die Veranstaltung fand 2026 bereits zum 26. Mal statt. Vereine, Auswahlmannschaften und Nationalteams aus zahlreichen Ländern kommen regelmäßig nach Luxemburg. Das Meeting wird nach den Regeln von World Aquatics und des luxemburgischen Schwimmverbandes ausgetragen und hat sich längst als feste Marke im internationalen Wettkampfkalender etabliert.


Auch Meetings beispielsweise in Eindhoven oder Rotterdam zeigen, dass sich Stadt und Wettkampf über viele Jahre miteinander verbinden können.


Das könnte langfristig auch für Wiesbaden ein Ziel sein.


Von einem Wettkampf in Wiesbaden zu einer Wiesbadener Wettkampfmarke


Ein solches Meeting muss nicht im ersten Jahr zu den stärksten Veranstaltungen Europas gehören.


Entscheidend wäre vielmehr, von Anfang an einen qualitativ hochwertigen und international ausgerichteten Wettkampf zu entwickeln und diesen Jahr für Jahr weiter aufzubauen.


Der SCW verfügt mit seinen national und international startenden Athleten, Trainern und bestehenden Kontakten bereits über Netzwerke, die dabei helfen können, Vereine und Athleten aus Deutschland und dem Ausland nach Wiesbaden einzuladen.

So könnte ein Wettkampf entstehen, bei dem leistungsstarker Nachwuchs, deutsche Spitzenathleten und internationale Gäste gemeinsam starten.


Das langfristige Ziel wäre einfach beschrieben:

Heute würde man sagen:

„Wir fahren zu einem Wettkampf nach Wiesbaden.“

Irgendwann sollte es heißen:

„Wir fahren zum Wiesbaden Meet.“


Dann wäre aus einer Veranstaltung eine Marke geworden.


Wiesbaden hat dafür einen großen Standortvorteil


Für ein solches internationales Meeting bringt Wiesbaden Voraussetzungen mit, die weit über das Schwimmbad hinausgehen.

Die Lage mitten im Rhein-Main-Gebiet und die Nähe zum internationalen Flughafen Frankfurt ermöglichen eine gute Erreichbarkeit aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Dazu kommen Hotels, Gastronomie und die Attraktivität Wiesbadens als Landeshauptstadt.


Ein internationaler Schwimmwettkampf wäre deshalb nicht nur eine Veranstaltung des SCW.

Athleten, Trainer, Betreuer und Familien würden nach Wiesbaden kommen, hier übernachten und die Stadt kennenlernen. Über Berichterstattung, Livestreams und soziale Medien könnte Wiesbaden gleichzeitig weit über die Region hinaus als Sportstandort sichtbar werden.


Damit wird aus der Idee eines Schwimmmeetings auch ein Thema für die Sportstadt Wiesbaden.


Für Wettkämpfe werden Bereitstellung und Kosten entscheidend


Die baulichen Voraussetzungen des neuen Sportbades stehen fest. Entscheidend für die zukünftige Wettkampfnutzung wird deshalb weniger eine Diskussion über einzelne technische Details sein.


Von zentraler Bedeutung ist vielmehr, ob das Bad für entsprechende Veranstaltungen tatsächlich in dem erforderlichen zeitlichen Umfang bereitgestellt werden kann und welche Kosten dem Veranstalter dafür entstehen.

Ein großer Wettkampf benötigt das Sportbad nicht nur während der eigentlichen Wettkampfläufe. Auch Vorbereitung, Einrichtung, Einschwimmen sowie Auf- und Abbau müssen organisatorisch berücksichtigt werden.


Gleichzeitig entstehen einem Veranstalter bereits erhebliche Kosten für Zeitmessung, Wettkampftechnik, Personal, Kampfrichter, Organisation, Marketing und weitere Leistungen.


Soll langfristig eine international attraktive Veranstaltung entstehen, müssen deshalb auch die Kosten für die Nutzung des Bades in einem wirtschaftlich tragbaren Verhältnis stehen.


Hier liegt eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Stadt, Badbetreiber und organisiertem Sport.

Denn ein international wahrgenommener Wettkampf bringt nicht nur dem veranstaltenden Verein einen Nutzen. Er kann Gäste nach Wiesbaden bringen, die Wahrnehmung des Sportstandortes erhöhen und zu einer wiederkehrenden Veranstaltung im Kalender der Stadt werden.


Eine Entwicklungschance für den gesamten SCW


Für den SCW reicht die Perspektive aber noch weiter.

Das neue Bad kann einen sportlichen Entwicklungsweg unterstützen, der bei den ersten Schwimmbewegungen beginnt und bis zum internationalen Leistungssport reicht.


Von der Schwimmschule über Aufbau- und Fördergruppen, den Nachwuchs- und Wettkampfsport bis zum Top Team können Athletinnen und Athleten innerhalb des Vereins ihren eigenen Weg entwickeln.


Rheinhöhe könnte dabei zu einem wichtigen gemeinsamen sportlichen Mittelpunkt werden.


Und ein internationaler Heimwettkampf würde diesen Entwicklungsweg zusätzlich sichtbar machen.


Für einen jungen Schwimmer ist es etwas Besonderes, internationale Spitzenathleten im Fernsehen oder im Internet zu sehen. Noch eindrucksvoller ist es aber, selbst morgens im Nachwuchswettkampf zu starten und am Nachmittag wenige Meter entfernt internationale Spitzenschwimmer auf derselben Bahn zu erleben.

So können Vorbilder unmittelbar entstehen.


Magdeburg und Wiesbaden: unterschiedliche Wege, eine gemeinsame Erkenntnis

Magdeburg baut ein nationales Hochleistungszentrum. Wiesbaden baut mit Rheinhöhe einen kommunalen Sportpark.

Die Projekte sind deshalb weder in ihrer Zielsetzung noch in ihrer Finanzierung unmittelbar miteinander vergleichbar.


Trotzdem verbindet sie eine wichtige Erkenntnis:

Moderne Sportinfrastruktur schafft Möglichkeiten. Sportliche Entwicklung entsteht aber erst, wenn diese Infrastruktur auch entsprechend genutzt werden kann.


In Magdeburg werden Trainingsstätte, Leistungssport, Sportschulen, Sportwissenschaft und langfristige Förderung bewusst miteinander verbunden.


Wiesbaden kann mit Rheinhöhe seinen eigenen Weg entwickeln.


Für den Trainingsbetrieb bedeutet das vor allem, ausreichende Kapazitäten zu geeigneten Zeiten und zu für die Vereine dauerhaft tragbaren Konditionen bereitzustellen.


Für große Wettkämpfe kommt es darauf an, das Bad im erforderlichen Umfang zur Verfügung zu stellen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Veranstaltungen dieser Größenordnung überhaupt entwickelt werden können.

Wenn beides gelingt, kann Rheinhöhe wesentlich mehr werden als der Ersatz für das Freizeitbad Mainzer Straße.

Es kann zu einem neuen Zentrum des Wiesbadener Schwimmsports werden.


Für den SCW wäre das eine historische Entwicklungschance. Für den Schwimmsport in Wiesbaden könnten neue Möglichkeiten vom Nachwuchs bis zum internationalen Leistungssport entstehen.


Und für die Landeshauptstadt eröffnet sich die Chance, moderne Sportinfrastruktur, erfolgreiche Vereine und eine international ausgerichtete Veranstaltung miteinander zu verbinden und damit das Profil der Sportstadt Wiesbaden weiter zu stärken.


Das neue Becken schafft die Möglichkeiten. Welche sportliche Geschichte darin geschrieben wird, hängt davon ab, was Wiesbaden gemeinsam daraus macht.

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