Teil 1: Als aus einer Turbinenhalle ein Schwimmbad wurde

Seit mehr als 70 Jahren gehört das heutige Freizeitbad Mainzer Straße zum Wiesbadener Schwimmsport. Generationen haben hier schwimmen gelernt und trainiert. Auch die Geschichte des SC Wiesbaden ist eng mit dem früheren ESWE-Bad verbunden.
Dabei begann die Geschichte des Bades ausgesprochen ungewöhnlich.
Eine Turbinenhalle wird zum Hallenbad
Das 1954 eröffnete Hallenbad war kein klassischer Schwimmbadneubau. Eine ehemalige Turbinenhalle der Wiesbadener Stadtwerke wurde dafür zum Schwimmbad umgebaut. Noch heute erinnert eine Wiesbadener Besonderheit an diese ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: Die große Bahn erreicht nicht ganz die für offizielle Wettkämpfe notwendigen 50 Meter. Bei der Umnutzung der Halle war offenbar nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass durch die spätere Verfliesung des Beckens noch einige Zentimeter verloren gingen.
Für den Schwimmsport war das neue Bad trotzdem ein gewaltiger Fortschritt. Nach dem Krieg hatten die SCW-Schwimmer zeitweise lediglich ein zehn Meter langes Becken in der Rheumaklinik zum Training zur Verfügung. Mit der Eröffnung des Hallenbades Mainzer Straße im Mai 1954 erhielten sie endlich wieder eine große ganzjährig nutzbare Trainingsstätte. Die SCW-Chronik bezeichnet sie rückblickend als „ideale Übungsstätte“.
Der SCW war von Anfang an dabei
Der Schwimm-Club war mit der Entstehung des neuen Bades eng verbunden. Nach der Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum wirkte das damalige SCW-Mitglied Adolf Rosgarsky beratend beim Bau mit. Zur Eröffnung zeichnete der Club den für den Bau maßgeblichen Direktor Schröder mit seiner goldenen Ehrennadel aus.
Und natürlich wurde auch geschwommen: Der SCW weihte das neue Bad mit einem Städte-Schwimmkampf Wiesbaden gegen Mainz und Worms ein. Wiesbaden gewann. Noch im November 1954 folgte ein verbandsoffenes Schwimmfest mit deutschen Spitzenschwimmern.
Plötzlich kam der deutsche Spitzensport nach Wiesbaden
Zunächst ging man von einer wettkampfgerechten 50-Meter-Bahn aus. Damit eröffneten sich für Wiesbaden Möglichkeiten, die weit über den normalen Bade- und Trainingsbetrieb hinausgingen.
Der Hessische Schwimm-Verband verlegte einen Ländervergleich zwischen Hessen und Nordbaden nach Wiesbaden. Schließlich vergab sogar der Deutsche Schwimm-Verband sein Olympia-Ausscheidungsschwimmen nach Wiesbaden. Die Organisation übernahm der SC Wiesbaden.
Im Herbst 1956 kam anschließend die deutsche Schwimmmannschaft für ein sechswöchiges Trainingslager vor den Olympischen Spielen in Melbourne nach Wiesbaden. Die Olympia-Schwimmerinnen wurden nach der SCW-Chronik sogar bei Mitgliedern des Vereins untergebracht und betreut.
Für kurze Zeit war das neue Hallenbad damit eine Bühne für den deutschen Spitzenschwimmsport.
Doch ausgerechnet die vermeintliche 50-Meter-Bahn hatte einen entscheidenden Haken: Sie war keine echten 50 Meter lang. Für hochrangige offizielle Wettkämpfe war das Bad damit auf Dauer nicht geeignet.
Als Trainingsstätte sollte das ESWE-Bad Wiesbadens Schwimmsport dagegen noch über viele Jahrzehnte prägen.
Und als viele Jahre später sogar seine Schließung drohte, zeigte sich, wie wichtig dieses Bad für Wiesbaden geworden war.
Fortsetzung folgt: Als Wiesbaden um sein ESWE-Bad kämpfte.












