Als Wiesbaden um sein Schwimmbad kämpfte

Im ersten Teil unserer Serie haben wir auf die Anfänge des späteren ESWE-Bades zurückgeblickt. 1954 eröffnet, wurde das Hallenbad an der Mainzer Straße über Jahrzehnte zu einem wichtigen Ort für den Wiesbadener Schwimmsport.
Fast 50 Jahre später stand seine Zukunft plötzlich auf der Kippe.
2004 drohte das Ende
Im Jahr 2004 wurde ernsthaft über eine Schließung des ESWE-Bades diskutiert. Für den Wiesbadener Schwimmsport wäre der Verlust kaum aufzufangen gewesen. Das Bad war längst nicht nur ein öffentliches Hallenbad. Schulen nutzten es für den Schwimmunterricht, Vereine für Ausbildung und Training, zahlreiche Wiesbadenerinnen und Wiesbadener für den öffentlichen Badebetrieb.
Auch politisch wurde die Situation schnell zum Thema. Bereits im März 2004 beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung mit Anträgen gegen eine Schließung. Gleichzeitig sollte geprüft werden, unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen ein Weiterbetrieb möglich war.
Doch die entscheidende Reaktion kam aus der Stadtgesellschaft selbst.
Bürger und Vereine kämpfen für das ESWE-Bad
Unter dem Namen „ESWE-Bad erhalten“ formierte sich eine Initiative für den Fortbestand des Hallenbades. Bürgerinnen und Bürger sowie die Wiesbadener Schwimmvereine machten deutlich, welche Bedeutung die Wasserfläche für die Stadt hatte.
Mehr als 20.000 Menschen unterstützten das Bürgerbegehren. Zeitgenössische Berichte nennen sogar mehr als 25.000 gesammelte Unterschriften.
Auch der Schwimm-Club Wiesbaden und der SV Delphin Wiesbaden engagierten sich gemeinsam für den Erhalt des Bades. In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des SCW erinnerte der damalige Delphin-Vorsitzende Gerhard Strauch später an diesen gemeinsamen Einsatz. Gerade bei diesem Thema hätten beide Vereine 2005 in einem „positiven Gleichklang“ gehandelt.
Es ging dabei nicht allein um den Erhalt eines Gebäudes. Es ging um die Frage, ob Wiesbaden weiterhin ausreichend Möglichkeiten für Schulschwimmen, Schwimmausbildung, Vereinssport und öffentliches Schwimmen anbieten konnte.
Eine Entscheidung mit weitreichender Bedeutung
Am 10. März 2005 beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung schließlich mit dem Bürgerbegehren.
Das Ergebnis war für den Wiesbadener Schwimmsport von großer Bedeutung: Die Stadt sprach sich für ein breites Angebot im ESWE-Hallenbad für Schülerinnen und Schüler, Freizeitschwimmer und Sportvereine aus. Gefordert wurden bürgerfreundliche Öffnungszeiten und moderate Eintrittspreise.
Vor allem aber enthielt der Beschluss einen Satz, der für die weitere Geschichte des Wiesbadener Schwimmsports entscheidend werden sollte:
„Der Weiterbetrieb des ESWE-Bads ist bis zur Realisierung eines neuen Hallenbades sicherzustellen.“
Damit war 2005 nicht nur die unmittelbare Schließung abgewendet.
Gleichzeitig war politisch festgehalten worden, dass das alte ESWE-Bad so lange benötigt würde, bis Wiesbaden über einen Ersatz verfügt.
Das alte Bad blieb und wurde immer älter
Was damals niemand ahnen konnte: Zwischen diesem Beschluss und der geplanten Eröffnung seines tatsächlichen Nachfolgers sollten mehr als zwei Jahrzehnte liegen.
Das ESWE-Bad blieb unverzichtbar. Generationen von Kindern lernten dort schwimmen, Schulen hielten ihren Schwimmunterricht ab, Vereine trainierten auf der langen Bahn und die Wiesbadener Bevölkerung nutzte das Bad täglich.
Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass ein Gebäude aus den 1950er-Jahren nicht unbegrenzt weiterbetrieben werden konnte.
Die besondere Baugeschichte spielte dabei eine Rolle. Aus der ehemaligen Turbinenhalle war 1954 ein Schwimmbad geworden. Was seinerzeit eine ebenso ungewöhnliche wie wegweisende Lösung gewesen war, wurde Jahrzehnte später zu einer immer größeren Herausforderung für einen modernen Bäderbetrieb.
Die Frage war deshalb längst nicht mehr nur:
Wie lange kann das ESWE-Bad noch betrieben werden?
Sondern zunehmend:
Wo und wie baut Wiesbaden seinen Nachfolger?
Die Suche nach einem neuen Hallenbad hatte bereits begonnen
Tatsächlich war die Idee eines Ersatzneubaus nicht neu.
Bereits um die Jahrtausendwende gab es konkrete Planungen für ein neues Freizeithallenbad am Kallebad. In einem Architektenwettbewerb wurde untersucht, wie dort Hallen- und Freibad miteinander verbunden und Synergien bei Eingang, Gastronomie, Technik und Betrieb genutzt werden könnten.
Das Projekt ging weit über eine unverbindliche Idee hinaus. Es gab ein Raumprogramm, einen Architektenwettbewerb und einen Kostenrahmen. Gebaut wurde es dennoch nicht.
Damit blieb das ESWE-Bad an der Mainzer Straße bestehen.
Der Beschluss von 2005 gab dieser Situation schließlich einen politischen Rahmen: Das alte Bad sollte weiterlaufen, bis ein neues Hallenbad tatsächlich realisiert wäre.
Doch wo sollte dieses neue Bad entstehen?
Am Kallebad? Am Kleinfeldchen? An einem anderen Standort?
Und welche Wasserflächen würde eine wachsende Stadt künftig überhaupt benötigen?
Diese Fragen sollten Wiesbaden noch viele Jahre beschäftigen.














