Der erste Nachfolger sollte am Kallebad entstehen

Der Sportpark Rheinhöhe ist nicht der erste Versuch, das alte ESWE-Bad an der Mainzer Straße durch ein neues Hallenbad zu ersetzen. Schon vor rund 25 Jahren war ein Neubau konkret geplant. Er sollte am Kallebad entstehen. Es gab ein Raumprogramm, einen Architektenwettbewerb und einen Kostenrahmen. Gebaut wurde das Bad trotzdem nicht.
Wer heute am Kallebad vorbeikommt, sieht dort eines der großen Wiesbadener Freibäder. Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre hätte an diesem Standort jedoch etwas wesentlich Größeres entstehen können: ein neues Freizeithallenbad als Nachfolger für das damalige Stadtwerke- beziehungsweise ESWE-Bad an der Mainzer Straße.
Damit begann die Suche nach einem Nachfolger deutlich früher als die heutige Planung des Sportparks Rheinhöhe.
Ein neues Hallenbad neben dem Kallebad
Die Überlegung war durchaus schlüssig. Das 1970 eröffnete Kallebad verfügte bereits über eine große Freibadanlage. Ein neues Hallenbad am gleichen Standort hätte gemeinsame Strukturen nutzen können.
Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs wurde deshalb um 2000/2001 konkret untersucht, wie ein neues Freizeithallenbad in das bestehende Kallebad integriert werden könnte. Dabei ging es nicht nur um ein Schwimmbecken, sondern um eine umfangreiche Freizeitanlage.
Vorgesehen waren unter anderem ein Hallenbad mit knapp 950 Quadratmetern Wasserfläche, ein zusätzlicher Außenwasserbereich, Sauna, Gastronomie sowie Fitness- und Wellnessangebote. Hallen- und Freibad sollten grundsätzlich unabhängig voneinander funktionieren, gleichzeitig aber gemeinsame Einrichtungen und betriebliche Synergien nutzen.
Für das Projekt war ein Kostenrahmen von rund 40 Millionen D-Mark vorgesehen.
Das war also keine unverbindliche Idee für eine ferne Zukunft. Wiesbaden hatte ein konkretes Projekt entwickelt und dafür einen Architektenwettbewerb durchgeführt.
24 Planungsteams beschäftigten sich mit dem Projekt
An dem einstufigen Wettbewerb sollten 24 Teilnehmer sowie sechs gesetzte Büros beteiligt werden. Die Jury empfahl schließlich den erstplatzierten Entwurf einstimmig als Grundlage für die weitere Bearbeitung.
Der Nachfolger des alten Hallenbades an der Mainzer Straße war damit planerisch bereits erstaunlich weit vorbereitet.
Und dennoch wurde er nicht gebaut.
Das Kallebad-Projekt verschwand
Warum das Projekt letztlich nicht realisiert wurde, lässt sich aus den uns bisher vorliegenden Unterlagen nicht auf einen einzigen Beschluss oder einen einzelnen Grund zurückführen.
Gerade deshalb wollen wir an dieser Stelle nicht im Nachhinein eine einfache Erklärung konstruieren, die sich historisch nicht ausreichend belegen lässt.
Fest steht aber: Der geplante Neubau am Kallebad kam nicht. Das Hallenbad an der Mainzer Straße blieb in Betrieb und Wiesbaden musste sich weiter mit der Frage beschäftigen, wie lange die inzwischen jahrzehntealte Schwimmstätte noch genutzt werden konnte.
Nur wenige Jahre später bekam diese Frage eine ganz neue Dringlichkeit.
2004 sollte das alte Bad schließen
Wie wir in Teil 2 unserer Serie berichtet haben, wurde 2004 ernsthaft über eine Schließung des ESWE-Bades diskutiert.
Bürgerinnen und Bürger sowie die Wiesbadener Schwimmvereine wehrten sich. Mehr als 20.000 Menschen unterstützten die Initiative zum Erhalt des Bades.
2005 traf die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung schließlich eine für die weitere Geschichte entscheidende Festlegung:
„Der Weiterbetrieb des ESWE-Bads ist bis zur Realisierung eines neuen Hallenbades sicherzustellen.“
Damit war das alte Bad zunächst gerettet. Gleichzeitig blieb aber die bereits Jahre zuvor gestellte Frage unbeantwortet:
Wo sollte dieses neue Hallenbad entstehen?
Mehr als zehn Jahre später war die Frage noch immer offen
Das ESWE-Bad blieb weiter in Betrieb. Jahr für Jahr gingen dort Schulen zum Schwimmunterricht, Vereine trainierten und Wiesbadenerinnen und Wiesbadener nutzten die langen Bahnen.
Doch aus dem ursprünglich als Übergang gedachten Weiterbetrieb wurde eine immer längere Zeitspanne.
Im Oktober 2017 wurde das Ersatzprojekt in der Wiesbadener Presse bereits als seit mehr als zehn Jahren überfällig bezeichnet. Gleichzeitig wurde deutlich, wie unverzichtbar die vorhandenen Wasserflächen waren: Sowohl das Hallenbad an der Mainzer Straße als auch das Kleinfeldchen kamen damals jeweils auf mehr als 250.000 Besuche pro Jahr.
Eine ersatzlose Schließung des alten Bades war damit kaum vorstellbar.
Und dann kam das Kallebad noch einmal ins Spiel
Die Geschichte nahm dabei eine bemerkenswerte Wendung.
Als Wiesbaden 2017 systematisch nach einem Standort für den Ersatz des Hallenbades an der Mainzer Straße und der alten Henkell-Kunsteisbahn suchte, wurde eine Vielzahl möglicher Standorte untersucht.
Am Ende blieben drei besonders ernsthafte Varianten übrig:
Rheinhöhe, Kleinfeldchen und Kallebad.
Damit war das Kallebad rund anderthalb Jahrzehnte nach dem ersten Architektenwettbewerb erneut im Rennen um den Neubau eines Wiesbadener Hallenbades.
Diesmal setzte sich jedoch ein anderer Standort durch.
Die Rheinhöhe erreichte in der Standortbewertung 67 Prozent, das Kleinfeldchen 56 Prozent und das Kallebad 55 Prozent.
Die Entscheidung führte schließlich zu jenem Projekt, das heute am Konrad-Adenauer-Ring sichtbar Gestalt annimmt.
Eine Geschichte mit mehreren Anläufen
Wenn heute über die lange Entstehungsgeschichte des Sportparks Rheinhöhe gesprochen wird, beginnt die Erzählung deshalb nicht erst mit dem heutigen Neubau.
Schon um die Jahrtausendwende hatte Wiesbaden einen konkreten Nachfolger für das alte Hallenbad geplant.
Er sollte am Kallebad entstehen.
Das Projekt wurde nicht realisiert.
2004 drohte anschließend die Schließung des ESWE-Bades. Bürger und Vereine kämpften für seinen Erhalt. 2005 wurde politisch festgelegt, dass es bis zur Realisierung eines Neubaus weiterbetrieben werden sollte.
Und erst mehr als ein Jahrzehnt später begann die Suche nach einem Standort erneut.
Dass heute tatsächlich ein neues 50-Meter-Becken mit zehn Bahnen entsteht, ist deshalb das Ergebnis einer Geschichte, die nicht nur einige Jahre, sondern mehr als ein Vierteljahrhundert umfasst.
Wie aus einer Idee der Sportpark Rheinhöhe wurde
Die nächste entscheidende Phase begann 2016.
Nach der Kommunalwahl wurde der Neubau eines Freizeitbades zu einem konkreten politischen Thema. Im Sommer 2016 brachte der damalige Oberbürgermeister Sven Gerich eine neue Idee öffentlich ins Spiel: Hallenbad und Eissporthalle sollten gemeinsam auf der Rheinhöhe entstehen.
Aus der Idee wurde ein Bädergutachten, aus der Standortsuche ein Beteiligungsverfahren und aus ersten Anforderungen von Bürgern und Vereinen schließlich ein konkretes Raumprogramm.
Damit begann die eigentliche Entstehungsgeschichte des heutigen Sportparks Rheinhöhe.
Fortsetzung folgt:
Teil 4: Wie die Rheinhöhe zum Standort für Wiesbadens neues Schwimmbad wurde
Von der Idee 2016 über Bädergutachten, Standortsuche und Bürgerbeteiligung bis zur Entscheidung für den Sportpark Rheinhöhe.














