Manchmal bedeutet der Wechsel zu einem neuen Verein mehr als nur eine andere Vereinsbezeichnung hinter dem eigenen Namen.

Für Tom Scott Mühlbauer, Jahrgang 2010, begann 2025 ein neues Kapitel beim Schwimm-Club Wiesbaden. Gerade einmal gut ein Jahr später ist daraus längst mehr geworden: sportliche Erfolge im Becken und im Freiwasser, Wettkämpfe in Deutschland und der Schweiz und eine Familie, die beim SCW nicht nur am Beckenrand steht, sondern inzwischen selbst kräftig mit anpackt.
Einer für alle vier Lagen
Wer Tom Scott bei Wettkämpfen beobachtet, merkt schnell, dass er sich nicht einfach auf eine Schwimmart reduzieren lässt.
Seine besondere Stärke liegt in den 400 m Lagen, einer der anspruchsvollsten Strecken im Schwimmsport. Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil müssen nicht nur technisch beherrscht werden. 400 m Lagen verlangen Ausdauer, Renneinteilung und die Fähigkeit, auch dann technisch sauber weiterzuschwimmen, wenn die Kräfte schwinden.
Genau auf dieser Strecke setzte Tom Scott 2026 ein Ausrufezeichen.
Bei den Süddeutschen Meisterschaften Lange Strecke schlug er nach 4:56,01 Minuten als Erster seines Jahrgangs an.
Süddeutscher Jahrgangsmeister 2026 über 400 m Lagen.
Dass dies kein einzelner Ausreißer ist, zeigen seine Leistungen über viele verschiedene Strecken. Auf der Kurzbahn wurde er 2025 Hessischer Jahrgangsmeister über 400 m Lagen in 4:42,65 Minuten und über 200 m Schmetterling in 2:14,73 Minuten. Über 400 m Freistil erreichte er bei derselben Meisterschaft den zweiten Platz seines Jahrgangs.
Die Grundlage dafür hat Tom bereits über Jahre aufgebaut. Schon 2024 gewann er alle drei hessischen Jahrgangstitel über die langen Strecken 400 m Lagen, 800 m und 1.500 m Freistil. Bei den Süddeutschen Meisterschaften kamen Podestplätze über 100 und 200 m Schmetterling hinzu.
Lagen, Schmetterling, lange Freistilstrecken: Vielseitigkeit und Ausdauer ziehen sich durch seine sportliche Entwicklung.
Und dann kam das Freiwasser
2026 zeigte sich noch eine weitere Seite von Tom Scott.
Bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften in Regensburg ging es nicht um vier Bahnen im Schwimmbad, sondern um Kilometer im offenen Wasser.
Über 2,5 Kilometer schwamm Tom Scott auf Platz vier und erfüllte dabei die Landeskadernorm.
Einen Tag später folgten die 5 Kilometer.
Und hier gelang ihm eines der bislang stärksten Rennen seiner jungen Laufbahn:
Platz zwei im Jahrgang 2010 bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften.
Gemeinsam mit Jannes Kämper und Diego Heinze gehörte er außerdem zur Jugend-A-Staffel des SC Wiesbaden, die auf Rang fünf schwamm.
Damit zeichnet sich bei Tom inzwischen ein spannendes Profil ab: Ein vielseitiger Lagenschwimmer mit starker Ausdauerbasis, der sich gleichzeitig auch im Freiwasser entwickelt.
Zwei Länder, ein Sport
Zu Tom Scotts Geschichte gehört aber noch etwas Besonderes.
Er besitzt neben der deutschen auch die schweizerische Staatsangehörigkeit und kann deshalb auch bei nationalen Wettkämpfen in der Schweiz starten.
Bei den Schweizer Nationalen Vereinsmeisterschaften 2026 ging Tom Scott für Lancy ins Wasser. Über 400 m Lagen schwamm er rund 4:44 Minuten, über 200 m Schmetterling rund 2:17 Minuten.
Und dort traf er auf einen ziemlich bekannten Teamkollegen aus Wiesbaden.
Timo Sorgius, Mitglied des SCW-Top-Teams, trainiert in der Schweiz beim SchwimmClub Uster und startete bei derselben Meisterschaft für Uster. Wenige Monate später standen beide erneut bei den Schweizer Meisterschaften in Lausanne am Start: Tom Scott für Lancy, Timo für Uster.
Zwei SCW-Schwimmer, zwei Schweizer Vereine und anschließend wieder dasselbe Team in Deutschland.
Auch das gehört inzwischen zur internationalen Seite des Schwimm-Club Wiesbaden.
Beim SCW angekommen ist nicht nur Tom
Die Geschichte von Tom Scott beim SCW ist gleichzeitig eine Familiengeschichte.
Seit 2025 schwimmt Tom für Wiesbaden.
Und seine Eltern?
Die schauen längst nicht mehr nur von der Tribüne zu.
Sein Vater Benjamin Mühlbauer engagiert sich schon seit Jahren als Kampfrichter. Inzwischen besitzt er die Schiedsrichterlizenz und übernimmt bei Wettkämpfen Verantwortung für einen ordnungsgemäßen und fairen Ablauf. Wer Wettkampfschwimmen kennt, weiß, wie wichtig Menschen sind, die bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen.
Doch dabei blieb es nicht.
Seit Mai 2026 ist Benjamin 2. Schriftführer im Vorstand des Schwimm-Club Wiesbaden und engagiert sich damit inzwischen auch für den gesamten Verein.
Auch Mutter Stephanie Mühlbauer ist aktiv. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Kassiererin der Schwimmabteilung, übernimmt bei Wettkämpfen Aufgaben im Kampfgericht und unterstützt die Abteilung organisatorisch. Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2026 in Berlin waren Benjamin und Stephanie gemeinsam mit dem SCW-Team vor Ort und halfen dort auch hinter den Kulissen.
Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit ist aus einer neuen Mitgliedschaft damit viel mehr geworden.
Ein Sohn trainiert und startet erfolgreich für den SCW. Die Mutter übernimmt Verantwortung in der Schwimmabteilung. Der Vater steht als Schiedsrichter am Beckenrand und arbeitet zusätzlich im Vorstand des Gesamtvereins mit.
Genau daraus entsteht Vereinsleben.
Und Tom Scott?
Der ist Jahrgang 2010.
Süddeutscher Jahrgangsmeister über 400 m Lagen, Hessischer Jahrgangsmeister, DJM-Teilnehmer, Zweiter seines Jahrgangs bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften und inzwischen auf beiden Seiten der deutsch-schweizerischen Grenze im Wettkampfbecken zuhause.
Seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.
Vielleicht ist genau das momentan das Spannendste an seiner Geschichte.
Wir wissen noch nicht, ob seine Zukunft irgendwann stärker bei den 400 m Lagen, beim Schmetterling, auf den langen Freistilstrecken oder im Freiwasser liegen wird.
Aber wir wissen, dass Tom Scott die Vielseitigkeit, Ausdauer und Trainingsbasis mitbringt, um diesen Weg weiterzugehen.
Und wir freuen uns, dass er und seine Familie diesen Weg seit 2025 gemeinsam mit dem Schwimm-Club Wiesbaden gehen.
Tom Scott, wir schwimmen für das Team. ❤️













