Wie die Rheinhöhe zum Standort für Wiesbadens neues Schwimmbad wurde

Heute ist der Name Sportpark Rheinhöhe in Wiesbaden selbstverständlich geworden. Am Konrad-Adenauer-Ring wächst inzwischen ein großer Gebäudekomplex mit neuem Schwimmbad und Eissporthalle.

Doch noch vor zehn Jahren gab es diesen Sportpark nur als Idee.


Nachdem Wiesbaden bereits um die Jahrtausendwende einen Neubau am Kallebad geplant hatte und 2005 den Weiterbetrieb des ESWE-Bades bis zur Realisierung eines neuen Hallenbades beschlossen hatte, begann 2016 eine neue und schließlich entscheidende Phase.


Diesmal sollte aus den Überlegungen tatsächlich ein Neubau entstehen.


2016 wird der Neubau wieder zum politischen Thema


Vor der Wiesbadener Kommunalwahl 2016 war der Ersatz des inzwischen deutlich in die Jahre gekommenen Freizeitbades an der Mainzer Straße erneut auf die politische Tagesordnung gerückt.


Im Programm der Wiesbadener SPD für die Wahlperiode 2016 bis 2021 gehörte der „Neubau Freizeitbad Mainzer Straße“ zu den sportpolitischen Vorhaben. Gleichzeitig sollte die Bäderlandschaft insgesamt attraktiver und die finanzielle Ausstattung des städtischen Bäderbetriebs mattiaqua verbessert werden.


Damit war klar: Die seit 2005 bestehende Zusage, das alte Bad erst nach der Realisierung eines Ersatzes aufzugeben, sollte endlich mit einer konkreten Neubauplanung verbunden werden.


Doch wo sollte dieses neue Bad entstehen?


Eine neue Idee: Schwimmbad und Eissporthalle gemeinsam bauen


Im Sommer 2016 brachte der damalige Oberbürgermeister Sven Gerich öffentlich eine Idee ins Spiel, die den weiteren Verlauf entscheidend prägen sollte.


Nicht nur das Hallenbad an der Mainzer Straße war in die Jahre gekommen. Auch für die Henkell-Kunsteisbahn bestand langfristiger Handlungsbedarf.


Warum also beide Probleme getrennt lösen?

Die Überlegung war, ein neues Schwimmbad und eine neue Eissporthalle an einem gemeinsamen Standort zu errichten. Als möglicher Platz rückte das Sportgelände an der Rheinhöhe zwischen Konrad-Adenauer-Ring, Holsteinstraße, Steinberger Straße und Erlenweg in den Mittelpunkt.


Der Begriff „Sportpark Rheinhöhe“ war geboren.


Die Kombination versprach Synergien: Flächen, technische Anlagen, Energieversorgung, Personal und andere betriebliche Bereiche könnten gemeinsam genutzt werden. Auch die spätere Projektbeschreibung nennt räumliche, energetische und personelle Synergien sowie mögliche Einsparungen bei Bau und Betrieb als Vorteile des gemeinsamen Standorts.

Noch war das allerdings keine beschlossene Planung. Gerich bezeichnete den Sportpark damals ausdrücklich zunächst als Idee. Machbarkeit, Bäderkonzept und politische Beratung standen noch bevor.


Das Bädergutachten schafft die Grundlage


Parallel dazu beschäftigte sich Wiesbaden grundsätzlich mit der Zukunft seiner Bäder.

Am 17. November 2016 beschloss die Stadtverordnetenversammlung das Bädergutachten für mattiaqua. Damit entstand die politische Grundlage für die weitere Untersuchung eines Ersatzneubaus und die Suche nach einem geeigneten Standort.


Dabei ging es nicht einfach darum, irgendwo ein neues Schwimmbad zu bauen.


Es musste geklärt werden, welche Wasserflächen Wiesbaden künftig benötigt, wie Schulen, Öffentlichkeit und Vereine berücksichtigt werden können und ob sich der Neubau eines Schwimmbades sinnvoll mit einer neuen Eissporthalle verbinden lässt.


Aus einer politischen Idee wurde damit ein systematischer Planungsprozess.


Elf Standorte kommen auf den Prüfstand


2017 begann die konkrete Standortsuche.


Dabei wurde nicht nur die Rheinhöhe betrachtet. Insgesamt wurden zahlreiche mögliche Standorte im Wiesbadener Stadtgebiet untersucht und miteinander verglichen.


Nach mehreren Prüfschritten blieben schließlich drei besonders ernsthafte Varianten übrig:

Rheinhöhe, Kleinfeldchen und Kallebad.


Damit tauchte sogar jener Standort wieder auf, an dem bereits rund anderthalb Jahrzehnte zuvor ein neues Hallenbad als Ersatz für das ESWE-Bad geplant worden war.


Diesmal ging es jedoch zusätzlich um die Frage, ob Schwimmbad und Eissporthalle gemeinsam realisiert werden könnten.

In der abschließenden Standortbewertung erreichte die Rheinhöhe 67 Prozent, das Kleinfeldchen 56 Prozent und das Kallebad 55 Prozent.


Die Rheinhöhe hatte damit die besten Voraussetzungen.


Bürger und Vereine sollten mitreden


Ein wichtiger Unterschied zu früheren Planungen war die intensive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der betroffenen Sportvereine.


Am 12. Mai 2017 fand eine erste große Informations- und Beteiligungsveranstaltung statt. Dabei ging es nicht nur darum, bereits fertige Pläne zu präsentieren. Bürger, Vereine und Nutzer konnten Anforderungen an das künftige Schwimmbad und die Eissporthalle formulieren.


Am 23. September 2017 folgte die nächste Veranstaltung. Dort wurden Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchungen vorgestellt und diskutiert, welche Anregungen aus der ersten Beteiligungsrunde in die weiteren Überlegungen eingeflossen waren.


Dass diese Beteiligung einen erheblichen Umfang hatte, zeigen auch spätere Auswertungen der Stadt: Für die beiden Veranstaltungen zum Sportpark Rheinhöhe im Jahr 2017 wurden insgesamt 119 Teilnehmende erfasst, darunter Bürgerinnen und Bürger ebenso wie zahlreiche Vertreter von Vereinen, Verbänden und Initiativen.

Damit begann ein Prozess, der den Sportpark über mehrere Jahre begleiten sollte.


Auch der Wiesbadener Schwimmsport brachte seine Erfahrungen ein


Für die Wiesbadener Schwimmvereine war diese Beteiligung besonders wichtig.

Ein neues Hallenbad musste schließlich sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen: öffentliches Schwimmen, Schulschwimmen, Schwimmausbildung, Vereinstraining, Leistungssport und Wettkämpfe.

Deshalb brachten die Vereine bereits in dieser frühen Phase ihre Anforderungen ein.

Dabei ging es beispielsweise um ein durchgängiges 50-Meter-Becken, die Zahl der Bahnen, ausreichende Wassertiefen, Möglichkeiten für Wettkämpfe, Zuschauerplätze sowie Anforderungen des Tauch- und Unterwassersports.

Noch waren das Wünsche und Anforderungen. Aber aus genau solchen Vorschlägen sollte sich in den folgenden Jahren Schritt für Schritt das Raumprogramm entwickeln.


Die Rheinhöhe setzt sich durch


Ende 2017 wurde die Richtung schließlich deutlich.

Die Rheinhöhe sollte zum Standort für den Ersatz des Freizeitbades Mainzer Straße und der bisherigen Eissportanlage werden.

Damit war eine Entscheidung gefallen, die Wiesbadens Bäderlandschaft für Jahrzehnte prägen wird.

Der Standort bot nicht nur ausreichend Raum für Schwimmbad und Eissporthalle. Durch die vorhandenen Sportanlagen in der Umgebung bestand zugleich die Möglichkeit, einen größeren zusammenhängenden Sportstandort zu entwickeln.

Heute beschreibt die Stadtentwicklungsgesellschaft das Areal entsprechend als Standort, an dem Freizeitbad, Eissporthalle und weitere Sportangebote zu einem neuen sportlichen Zentrum zusammengeführt werden.


Von der Standortfrage zur Frage: Was soll dort eigentlich entstehen?


Mit der Entscheidung für die Rheinhöhe war allerdings erst eine Frage beantwortet:

Wo soll das neue Bad gebaut werden?


Die nächste war für den Schwimmsport mindestens genauso wichtig:

Was für ein Schwimmbad soll dort entstehen?


Genau an diesem Punkt begann eine neue Phase der Planung.

Aus den ersten Karten und Vorschlägen der Bürgerbeteiligung wurden Anforderungen. Vereine diskutierten Bahnenzahlen, Wassertiefen und Wettkampftauglichkeit. Der Deutsche Schwimm-Verband wurde einbezogen. Ein Arbeitskreis begleitete die Planung. Und immer wieder musste zwischen sportlichen Wünschen, betrieblicher Nutzung, Baukosten und Wirtschaftlichkeit abgewogen werden.


Viele der Details, die heute im Rohbau des Sportparks sichtbar sind, haben ihre Wurzeln in diesen Diskussionen.

Das heutige Sportbecken wird 50 × 25 Meter groß, verfügt über zehn Bahnen und eine Zuschauertribüne für rund 200 Personen.


Der Weg dorthin war jedoch keineswegs selbstverständlich.


Fortsetzung folgt:

Teil 5: Wie aus Wünschen ein Schwimmbad wurde


Wie Bürger und Vereine ihre Anforderungen einbrachten, warum über acht oder zehn 50-Meter-Bahnen diskutiert wurde, welche Rolle Wettkampftauglichkeit und Wassertiefe spielten und wie aus den ersten Ideen Schritt für Schritt das Raumprogramm für den heutigen Sportpark Rheinhöhe entstand.

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