Mehr 50 Meter können mehr Platz für den Nachwuchs schaffen

Was haben bessere Trainingsmöglichkeiten für Leistungsschwimmer auf einer 50-Meter-Bahn mit einem Kind zu tun, das gerade in den Schwimmverein eintreten möchte? Mehr, als man zunächst vermuten würde. Denn die Rheinhöhe kann nicht nur die Bedingungen für den Leistungssport verbessern. Richtig genutzt, kann sie das gesamte Wiesbadener Trainingssystem entlasten und dadurch neue Möglichkeiten für den Nachwuchs schaffen.


Wenn Kinder schwimmen wollen, aber die Wasserzeit fehlt


Das Interesse am Schwimmsport ist in Wiesbaden groß. Das erlebt der SC Wiesbaden jedes Jahr unmittelbar.


Rund 200 bis 300 Kinder fragen jährlich nach einem Vorschwimmen und damit nach der Möglichkeit, den nächsten Schritt in den organisierten Schwimmsport zu machen. Sie kommen aus der SCW-Schwimmschule, aus anderen

Schwimmangeboten, über die Talentförderung oder werden von ihren Eltern angemeldet, weil sie Freude am Schwimmen

entwickelt haben und mehr daraus machen möchten.


Eigentlich eine sehr erfreuliche Situation.


Doch zwischen dem Wunsch, in einem Verein zu schwimmen, und einem tatsächlichen Platz in einer Trainingsgruppe liegt in Wiesbaden ein knappes Gut:

Wasserzeit.


Trainingsgruppen lassen sich nicht beliebig vergrößern. Gerade bei jüngeren Kindern müssen Leistungsstand, Gruppengröße und Betreuung zusammenpassen. Zusätzliche Gruppen können aber nur entstehen, wenn dafür geeignete Bahnen und Trainingszeiten vorhanden sind.


Die Folge: Trotz der großen Nachfrage können nur vergleichsweise wenige Kinder tatsächlich neu in den Trainingsbetrieb aufgenommen werden.


Der Mangel an Wasserfläche begrenzt damit nicht nur das Training der bestehenden Mitglieder. Er begrenzt bereits den

Zugang neuer Kinder zum organisierten Schwimmsport.


Die Wasserknappheit zieht sich durch das gesamte Trainingssystem


Auf den ersten Blick könnte die Lösung einfach erscheinen: Dann braucht der Nachwuchs eben mehr Bahnen.

Doch so einfach funktioniert ein Schwimmverein nicht.


Auf den begrenzten Wiesbadener Wasserflächen trainieren Kinder in Aufbau- und Fördergruppen ebenso wie Jugendliche, Breitensportler und leistungsorientierte Schwimmer. Die verschiedenen Stufen der sportlichen Entwicklung greifen ineinander.

Wenn für eine Gruppe keine geeignete andere Wasserfläche zur Verfügung steht, muss sie auf Bahnen trainieren, die gleichzeitig auch von anderen Gruppen dringend benötigt werden.


Besonders deutlich wird das beim Leistungssport.


Bis zu zehn Einheiten – aber nur ein- bis zweimal auf 50 Metern


Für den gehobenen Leistungssport ist regelmäßiges Training auf der 50-Meter-Bahn von großer Bedeutung.

Die leistungsorientierten Gruppen absolvieren teilweise bis zu zehn Wassereinheiten pro Woche. Doch nur ein bis zwei dieser Einheiten können derzeit auf einer 50-Meter-Bahn stattfinden.


Das bedeutet: Rund 80 bis 90 Prozent des Wassertrainings müssen auf 25 Metern absolviert werden.

Und selbst bei den wenigen verfügbaren Langbahneinheiten sind die Bedingungen nicht immer so, wie sie für ein hochwertiges Leistungstraining eigentlich benötigt würden.


Weil für das Vereinstraining nur wenige 50-Meter-Bahnen zur Verfügung stehen, müssen sich vergleichsweise viele Schwimmerinnen und Schwimmer eine Bahn teilen. Gleichzeitig wird teilweise auch die Trainingsdauer eingeschränkt. Statt der eigentlich benötigten zwei Stunden stehen dann beispielsweise nur etwa 90 Minuten zur Verfügung.


Damit treffen gleich drei Faktoren aufeinander:

zu wenige Trainingseinheiten auf 50 Metern, eine hohe Zahl von Aktiven auf den verfügbaren Bahnen und teilweise eine verkürzte Trainingsdauer.


Warum eine volle Bahn das Training verändert


Die Zahl der Schwimmer auf einer Bahn ist im Leistungstraining keineswegs nur eine Frage des Komforts.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten und Trainingsaufgaben müssen koordiniert werden. Abstände zwischen den Aktiven werden kleiner, Überholvorgänge häufiger und bestimmte Belastungs- und Geschwindigkeitsvorgaben schwieriger umzusetzen.


Je voller eine Bahn ist, desto schwieriger wird es, ein differenziertes Training für unterschiedliche Leistungsprofile durchzuführen.


Hinzu kommt die verkürzte Trainingszeit. Wenn für eine geplante zweistündige Einheit nur 90 Minuten zur Verfügung stehen, fehlen nicht einfach 30 Minuten Aufenthaltszeit im Schwimmbad. Trainingsinhalte müssen angepasst, gekürzt oder auf andere Einheiten verschoben werden.


Für einen Schwimmstandort, an dem Athletinnen und Athleten auf nationaler und internationaler Ebene trainieren, sind deshalb Bahnlänge, Zahl der verfügbaren Bahnen und Trainingsdauer gleichermaßen wichtig.


25 Meter sind wichtig – ersetzen aber keine 50 Meter


Natürlich ist die 25-Meter-Bahn ein wichtiger Bestandteil des Schwimmtrainings. Sie bietet sogar eigene Vorteile, beispielsweise für Wenden und Unterwasserphasen.


Aber sie kann das Training auf 50 Metern nicht vollständig ersetzen.


Auf einer 25-Meter-Bahn gibt es doppelt so viele Wenden. Schwimmrhythmus und Belastungsdauer zwischen den Wänden verändern sich. Geschwindigkeit und Technik müssen auf der Langbahn länger ohne Wandkontakt aufrechterhalten werden.

Wer sich auf nationale und internationale Wettkämpfe auf der 50-Meter-Bahn vorbereitet, muss deshalb auch regelmäßig unter diesen Bedingungen trainieren können.


Und genau hier eröffnet die Rheinhöhe völlig neue Möglichkeiten.


Zehn 50-Meter-Bahnen können mehr verändern als nur das Leistungstraining


Auf der Rheinhöhe entsteht ein 50 × 25 Meter großes Sportbecken mit zehn Bahnen.


Für den Leistungssport bedeutet das zunächst die Chance, häufiger auf der Langbahn zu trainieren.

Doch ebenso wichtig ist ein zweiter Effekt: Wenn ausreichend Bahnen zur Verfügung stehen, können Trainingsgruppen sinnvoller verteilt werden. Weniger Aktive müssen sich eine Bahn teilen und Trainingsinhalte lassen sich zielgerichteter durchführen.


Wenn zusätzlich sportgerechte Trainingszeiten und ausreichende Trainingsdauern zur Verfügung stehen, verbessern sich damit gleich drei entscheidende Bedingungen:

Bahnlänge, Platz auf der Bahn und Trainingsdauer.


Doch der Nutzen endet nicht bei den Leistungsschwimmern.


Mehr 50-Meter-Wasser kann mehr 25-Meter-Wasser schaffen


Denn jede leistungsorientierte Gruppe, die künftig zu einer geeigneten Trainingszeit auf der Rheinhöhe trainieren kann, benötigt in dieser Zeit keine 25-Meter-Bahn im Kleinfeldchen.


Und genau diese Bahnen werden an anderer Stelle dringend gebraucht.


Mehr und besser nutzbares 50-Meter-Wasser für den Leistungssport kann deshalb gleichzeitig mehr 25-Meter-Wasser für den Nachwuchs schaffen.


Das klingt zunächst vielleicht widersprüchlich. Tatsächlich entsteht daraus aber eine einfache Wirkungskette:

Leistungsgruppen können häufiger auf die für sie geeignete 50-Meter-Bahn wechseln. Dadurch werden 25-Meter-Kapazitäten im Kleinfeldchen entlastet. Diese können stärker für Aufbau-, Förder- und Nachwuchsgruppen eingesetzt werden. Bestehende Gruppen können besser organisiert und möglicherweise zusätzliche Plätze geschaffen werden.


Am Ende kann davon ein Kind profitieren, das heute auf einen Platz im Verein wartet.


Von der Spitze zurück zum Einstieg


Damit hängen zwei Fragen unmittelbar miteinander zusammen, die häufig getrennt betrachtet werden:

Welche Trainingsbedingungen braucht der Leistungssport?

und

Wie können mehr Kinder in den Vereinssport aufgenommen werden?

Leistungssport entsteht schließlich nicht erst dort, wo jemand bei Deutschen Meisterschaften oder internationalen Wettkämpfen startet.


Er beginnt Jahre zuvor.


Mit einem Kind, das schwimmen gelernt hat und Freude daran entwickelt. Mit dem ersten Training im Verein. Mit Technikschulung, Aufbau- und Fördergruppen und vielleicht den ersten Wettkämpfen. Später folgen höhere Trainingsumfänge und für einige der Weg in den Leistungssport.


Damit dieser Weg funktioniert, muss auf jeder Stufe Platz vorhanden sein.


Wenn bereits am Anfang Kinder nicht aufgenommen werden können, weil Wasserzeiten fehlen, fehlen einige Jahre später zwangsläufig auch Aktive in den höheren Trainingsgruppen.


Eine funktionierende Struktur braucht deshalb beides:

Platz für den Einstieg und geeignete Bedingungen für die Spitze.


Rheinhöhe und Kleinfeldchen können unterschiedliche Stärken ausspielen


Die Bedeutung der Rheinhöhe lässt sich deshalb nicht allein anhand ihrer zusätzlichen Quadratmeter Wasserfläche beurteilen.

Entscheidend ist auch, was diese neue Wasserfläche an anderen Stellen verändern kann.


Für Wiesbaden bietet sich insbesondere ein Zusammenspiel zwischen Rheinhöhe und Kleinfeldchen an.


Die zehn 50-Meter-Bahnen der Rheinhöhe schaffen neue Möglichkeiten für langbahnorientiertes Training. Gleichzeitig bleiben die 25-Meter-Trainingsmöglichkeiten im Kleinfeldchen für viele Trainingsformen und insbesondere für die Entwicklung jüngerer Schwimmer besonders wertvoll.


Nicht jede Trainingsgruppe braucht zur gleichen Zeit dieselbe Wasserfläche.


Wenn Gruppen stärker dort trainieren können, wo die Infrastruktur ihren jeweiligen Anforderungen entspricht, kann das gesamte System effizienter genutzt werden.


Die neue Infrastruktur allein reicht noch nicht


Allerdings geschieht diese Entlastung nicht automatisch mit der Eröffnung der Rheinhöhe.


Ein 50-Meter-Becken hilft dem Leistungssport nur dann, wenn die Bahnen auch in ausreichendem Umfang und zu sportgerechten Zeiten für das Training zur Verfügung stehen.


Eine leistungsorientierte Trainingsgruppe kann mit einer Wasserzeit am Vormittag wenig anfangen, wenn die Jugendlichen gleichzeitig in der Schule sind. Ebenso wenig lassen sich notwendige Trainingsumfänge dauerhaft in deutlich kürzere Einheiten pressen.


Und wenn auf den wenigen verfügbaren Bahnen weiterhin sehr viele Aktive gleichzeitig trainieren müssen, wird ein Teil des möglichen Qualitätsgewinns wieder verloren gehen.


Die spätere Belegungsplanung wird deshalb entscheidend dafür sein, ob das Potenzial der neuen Infrastruktur tatsächlich beim Wiesbadener Schwimmsport ankommt.


Vielleicht beginnt die Wirkung der Rheinhöhe im Kleinfeldchen


Das Interessante daran ist: Einer der größten Effekte der neuen Rheinhöhe könnte am Ende an einem ganz anderen Ort sichtbar werden.


Vielleicht entsteht im Kleinfeldchen eine zusätzliche Nachwuchsgruppe.


Vielleicht können bestehende Gruppen entzerrt werden.


Vielleicht kann einem Kind nach dem Vorschwimmen ein Platz angeboten werden, für das heute keine ausreichende Kapazität vorhanden wäre.

Dieses Kind benötigt zunächst keine 50-Meter-Bahn.

Aber sein Platz könnte gerade deshalb entstehen, weil eine ältere Leistungsgruppe künftig auf der Rheinhöhe trainieren kann.


Einige Jahre später könnte dasselbe Kind selbst zu denjenigen gehören, die regelmäßig auf der Langbahn trainieren.

So schließt sich der Kreis.


Die Rheinhöhe schafft nicht nur neue Wasserfläche. Richtig genutzt kann sie auch vorhandene Wasserfläche neu verfügbar machen.


Darin liegt eine ihrer großen Chancen für den Wiesbadener Schwimmsport: bessere Bedingungen für die Spitze und gleichzeitig mehr Möglichkeiten, Kinder überhaupt erst auf den Weg in den Vereinssport zu bringen.


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